Vereinsgeschichte

1953/54 wurden Regelungen im Kulturbund getroffen, die die Eigenständigkeit der Natur- und Heimatfreunde im Kulturbund ermöglichen sollten. Die Initiative zur Gründung einer entsprechenden Ortsgruppe in Erdmannsdorf ging von Dipl. Ing. Kurt Laudeley aus, der den 1. Vorsitz übernahm, später maßgeblichen Anteil an der Ausweisung des „Landschaftsschutzgebietes Augustusburg-Sternmühlental“ hatte und 1996 zum Ehrenbürger der Gemeinde Erdmannsdorf ernannt wurde.

Am 3. April 1954 fand die Gründungsversammlung im Gasthaus Kadow, Chemnitzer Straße 2, in Erdmannsdorf, statt.

Es wurden Mitglieder gesucht, die sich für ihre Heimat, deren Geschichte, Natur und Landschaft interessieren, auch bereit sind, sich aktiv einzubringen. Die einzelnen Aufgabengebiete, die 1954 relevant waren, finden sich noch heute in unserer Satzung wieder. Auf eine über 70 Jahre währende Vereinsgeschichte mit Höhen und Tiefen können wir mit Stolz zurückblicken. Auch wenn es ein paar wenige Jahre gab, wo das Vereinsleben fast am Boden lag, wurden drei Bereiche ununterbrochen aktiv gehalten. So arbeitet die Gruppe der Ornithologen, die sich um die Nistkästen kümmert, ununterbrochen und betreut aktuell in drei Gebieten (am Unteren Kunnersteinweg, im Gebiet am Pfaffteich und im Sternmühlental) bis zu 150 Nisthilfen. Günter Neumann, Gründungsmitglied des Vereins und langjähriger Leiter der Gruppe, hat diese Aufgabe 2016 an Berndt Horn übergeben.

Die Nisthilfen werden von Mitgliedern gebaut, repariert, gesäubert und kontrolliert. Im Bild aus den 1970er-Jahren Rolf Barth, Heinz Weißbach und Günter Neumann im Schwarzbach im Sternmühlental.
Foto: Vereinsarchiv

In jedem Jahr fand ein „Lichtl-Obnd“ in der Vorweihnachtszeit statt, wo besonders Geselligkeit, Mundart und erzgebirgische Traditionen gepflegt wurden und werden. Die Gaststätte Sternmühle wird vom Verein für derartige Veranstaltungen gern genutzt. Der Besuch von Mettenschichten oder eine Ausfahrt ins Erzgebirge, um dort den Lichtl-Obnd zu erleben, ist immer etwas Besonderes. Zur kulturellen Ausgestaltung der Lichtl-Obnde laden wir uns Erzgebirgsgruppen, Liedermacher oder Zitherspieler ein, um das Brauchtum und die Traditionspflege auch für nachfolgende Generationen wachzuhalten.

Einfahrt zur Mettenschicht in den Markus-Röhling-Stollen 2022
Foto: P. Brethfeld

Das Wandern ist seit Vereinsgründung fester Bestandteil des Vereinslebens. Vorbereitet und organisiert werden die Wanderungen von unseren Wanderleitern. Von 1954 bis 1973 lag die Verantwortung dafür in den Händen von Herbert Bach. Er gestaltete ein Album und wir erhalten hier einen kleinen Einblick in die 1950er-Jahre.

Von 1981 bis 1991 lag die Verantwortung bei Heino Neumann.

Mit der Wende und den daraus resultierenden Veränderungen in der Struktur des Kulturbundes standen auch die Natur- und Heimatfreunde vor der Entscheidung, wie soll es zukünftig weitergehen. Die Vereinsmitglieder waren aufgerufen zu entscheiden, soll ein Beitritt zum Erzgebirgsverein, als Zweigverein erfolgen, oder wollen wir als eigenständiger Verein mit eigener Satzung unsere erfolgreiche Vereinsarbeit mit den verschiedensten Inhalten fortsetzen. Die Entscheidung wurde zur Fortsetzung mit eigener Satzung getroffen, was allerdings zur Folge hatte, dass einige Mitgliedern den Verein verließen. Glücklicherweise blieben neben Dieter Heinz, Vereinsvorsitzender von 1981 bis 1999, auch viele wanderfreudige Mitglieder dem Verein treu. Nun übernahm eine Gruppe von Wanderleitern diese Rubrik der Vereinstätigkeit. 1992 ergriffen Berthold Reißig, Bernd Lagerbauer und Werner Petzold die Initiative und trugen somit nicht unwesentlich zum Fortbestand des Vereins bei. Aktuell hat der Verein fünf Wanderleiter (Berthold Reißig seit 1992, Dr. Hartmut Graumnitz seit 2001, Steffen Langklotz seit 2009, Ronald Reuther seit 2020, Matthias Oswald seit 2023), die sich mit ihren Partnerinnen schöne Ziele mit interessanter Umgebung aussuchen. Im Jahresplan sind somit mehrere Tagestouren und ein Wanderwochenende bis heute fester Bestandteil des Vereinslebens.

1992 führte uns das Wanderwochenende in den Harz und zum Brocken.
Foto: Vereinsarchiv

Die Wanderwochenenden, wo wir von Freitag bis Sonntag in Gemeinschaft unterwegs sind, werden gut angenommen.

2008 waren wir in Hilders/Eckweisbach in der Rhön und besuchten natürlich auch die Wasserkuppe.
Foto: Vereinsarchiv

Ziele unserer Wanderwochenenden waren u.a. die Sächsische Schweiz, die Fränkische Schweiz, das Zittauer Gebirge, die Lausitz, das Schwarzatal, der Harz, der Naturpark Steinwald, der Nationalpark Hainich, das Böhmische Erzgebirge. Durch die zahlreichen Wanderungen durch unsere Heimat lernten die Mitglieder diese kennen und lieben. Was man liebt, das pflegt man auch. Zahlreiche Mitglieder haben über das Wandern erst den Weg in den Verein gefunden. Die Bereitschaft, sich für die Heimat und in die Vereinstätigkeit einzubringen, hat sich stetig entwickelt. Es macht einfach Freude, in Gemeinschaft etwas Gutes zu tun, mit Natur- und Heimatfreunden unterwegs zu sein, Wissen zu tauschen und die Heimat in ihrer Vielseitigkeit zu erkunden.

Ein besonderes Erlebnis hatten wir bei der Wanderung zwischen Waldenburg und Wolkenburg 2024.
Foto: P. Brethfeld

In der Geschichte gestöbert

Nach Gründung des Vereins waren wir über das „Nationale Aufbauwerk“, kurz NAW, stark eingebunden, um u.a. Wanderwege auszuweisen und mit Bänken auszustatten. Diese wurden im Frühling ausgebracht und im Herbst eingeholt.

Die Bänke werden ausgebracht.
Foto: Vereinsarchiv
Die NAW-Stunden wurden regelmäßig abgerechnet, mit dem Geld konnten neue Aufgaben angegangen werden.
Repro: P. Brethfeld

1963 wurde die Heimatquelle (siehe Rubrik Wissenswertes) gefasst, die wir über all die Jahre betreuen, 1968 das Landschaftsschutzgebiet Augustusburg-Sternmühlental ausgewiesen und ein Arbeitskreis gegründet, der sich um die Erhaltung und Ausgestaltung des Gebietes bis 2004 kümmerte. Es ist eine gute Tradition, im Verein einen „Tag im Sternmühlental“ zu Jubiläen der Heimatquelle und der Gründung des Arbeitskreises durchzuführen.

2013 gab Günter Neumann, Initiator der Quellfassung, zum 50-jährigen einen Einblick in deren Geschichte. Da wird natürlich auch immer gemütlich beisammen gesessen, gesungen, gelacht und für so manche Überraschung gesorgt.
Foto: P. Brethfeld

1975 gab Kurt Laudeley mit Rückblick auf „20 Jahre Heimat- und Kulturarbeit“ folgenden Bericht:

Der Verein selbst steckte Ende der 1970er-Jahre kurz in der Krise. Es fanden kaum noch Veranstaltungen statt. Mit Übernahme des Vereinsvorsitzes durch Dieter Heinz ab 1981 änderte sich dies. Veranstaltungen und deren Inhalte nahmen wieder eine positive Entwicklung. Er führte den Verein bis 1999. Ausstellungen, Konzerte, Theaterbesuche, Kabarett, Vorträge, verschiedenste thematische Veranstaltungen, Wanderungen usw. gehörten nun wieder zum festen Bestandteil der Vereinsarbeit und das ist bis heute so.

Von 1983 bis 2014 organsierten wir das „Liedersingen am Aussichtspunkt Pilz“, was von Dieter Heinz ins Leben gerufen und von der Schule unterstützt wurde.

Liedersingen am Pilz 1988
Foto: Gunar Haupt

1989 wurden mehrere Mitglieder des Vereins für ihre langjährige und aktive Tätigkeit zum Wohle des Ortes und das Engagement für den Verein geehrt.

Dieter Heinz ehrt Herbert Bach und Kurt Laudeley.
Foto: Vereinsarchiv

Zu Vereinsjubiläen wurden und werden Ausstellungen organsiert. 1992 übernahmen die Natur- und Heimatfreunde Erdmannsdorf die Initiative zur Vorbereitung der 800-Jahrfeier. 1993 wurde die Arbeitsgemeinschaft Chronik gegründet. Manfred Wild, Bernd W. Wegert und Dieter Heinz waren dabei und hatten wesentlichen Anteil an deren Erarbeitung, sodass 1996 die Chronik „1196 – 1996 – Beiträge zur Ortsgeschichte“ pünktlich im Jubiläumsjahr erscheinen konnte.

1996 erfolgte endlich die Eintragung unseres Vereins im Vereinsregister des Amtsgerichtes Freiberg. Darauf haben wir eine ganze Weile warten müssen. Wir sind somit als gemeinnütziger Verein nach Recht der BRD eingetragen und anerkannt. Bei der Vorbereitung und Durchführung der 800-Jahrfeier brachten wir uns in vielfältiger Weise aktiv ein, ebenso zum Schul- und Heimatfest 1998 anlässlich 100 Jahre Schule Erdmannsdorf.

Seit 1999 hat unser Verein ein eigenes Logo. An der Heimatquelle erfolgte ein Großeinsatz, um den Quellbereiche zu sichern.

2000 nahmen die Arbeiten an der Rathausstraße 7 ihr Ende. Wir haben mit über 320 Stunden Eigenleistung wesentlichen Anteil an der Gestaltung und Möblierung der neu entstandenen Vereinsräume, die am 26. Januar 2001 feierlich eingeweiht werden konnten.

Die musikalische Ausgestaltung der Feier übernahm die Akkordeongruppe Tastenspiel der Musikschule Fröhlich.
Foto: P. Brethfeld

2004 feierten wir unser 50. Vereinsjubiläum. Wir pflanzten eine Linde, gestalteten eine Ausstellung zur Vereinsgeschichte, initiierten und begleiteten die Erstellung eines „Baugeschichtlichen Kurzgutachtens zum Schloss Erdmannsdorf“.

Pflanzen einer Linde zum Jubiläum 2004
Foto: Vereinsarchiv
Zeitdokument aus dem Jahr 2004
Repro: P. Brethfeld
Der Vereinsschaukasten aus dem Jahr 1961 mit geschnitzten Figuren wurde 2004 aufgearbeitet und erhielt an der Chemnitzer Straße 22 einen neuen Standort. Die Figuren wurden 1960/61 von der Schnitzergruppe des Vereins unter Anleitung von Fritz Ziller gefertigt. Für den neuen Kasten fertigte Dr. Hartmut Graumnitz 2007 den Schriftzug „Natur- und Heimatfreunde“.
Foto: P. Brethfeld

2010 übernahm der Verein die Pflege der Grabstelle von Arno und Moritz Meister (siehe Rubrik Wissenswertes).

2014 übernahm der Verein die Gestaltung und jährliche Pflege eines kleinen Platzes im sogenannten Alterdmannsdorf an der Alten Dorfstraße, der 2021 dem Ehrenbürger der Gemeinde Dipl. Ing. Kurt Laudeley gewidmet wurde und nun seinen Namen trägt (siehe Rubrik Wissenswertes).

Wir nehmen regelmäßig an verschiedenen Projekten teil und können mit den Preisgeldern Gutes für unseren Ort tun.

2019 – Umsetzung Bürgerprojekt „Baumpflanzaktion in Erdmannsdorf“
Foto: P. Brethfeld

Weitere Projekte wurden beantragt und mit einem Preisgeld honoriert: 2020 – „Unser Verein macht schlau“, 2021 – „Unser Verein in schwierigen Zeiten – jetzt erst recht!“, 2024 – „Unser Verein hat Zukunft“, 2025 – „Unser Verein für Natur und Umwelt“. Baumpflanzungen haben übrigens bei uns schon eine lange Tradition. In den Anfangsjahren des Vereins erfolgten u.a. Pflanzungen bei Hösels Birken, am Hopfenberg und Nachpflanzungen in der Aue.

Zum 50., 60. und 70. Vereinsjubiläum wurde jeweils ein Baum gepflanzt.

Günter Neumann, Gründungsmitglied, wurde 2024 für seine 70-jährige aktive Arbeit für den Verein geehrt und erhielt im Rahmen der Veranstaltungen zum 70. Jubiläum vom Bürgermeister eine Eiche geschenkt. Diese wurde auf der Wiese neben den Vereinsstuben zu den anderen Jubiläumsbäumen des Vereins gepflanzt und erhielt den Namen „Neumann-Eiche“.

Die Jubiläumsbäume – links: Linde zum 60., Mitte: Linde zum 50., im Vordergrund: Mehlbeere zum 70.
Foto: 2024 P. Brethfeld

Seit 2024 bieten wir den Klassen der Grundschule der Stadt Augustusburg geführte Wanderungen an, um die Schüler für das Wandern, die Natur, unsere schöne Heimat, deren Geschichte und Traditionen zu begeistern.

Seit 2026 gehört die Klöppelgruppe zu unserem Verein, weil sich der Landfrauenverband im Landkreis Freiberg/Mittelsachsen aufgelöst hat. Damit können wir eine alte Tradition im Verein wieder aufleben lassen, denn bis zur Wende gab es in unserem Verein bereits eine Gruppe, die diese traditionelle Handarbeit pflegte.

1989 präsentierten die Jugendlichen das Klöppeln zum Pfingstfest am Rathaus.
Foto: Vereinsrachiv

Auch die Kultur kommt bei uns nicht zu kurz. Es werden Theaterbesuche, Kabarett, Vorträge, Vereinsabende usw. organisiert. Manchmal treten einige Mitglieder auch als kleine Schauspieler auf. Dabei geht es recht lustig zu, wie beispielsweise zu einem Märchenabend.

Andrea Franke als Märchenfrau zum Vereinsabend im Jahr 2010
Foto: P. Brethfeld

Gern laden wir uns auch Gäste ein, die mit ihren Vorträgen unser Wissen erweitern.

„Korporal Stange“ hielt 2023 einen Vortrag zum Thema: “ Mit geschärftem Blick – Die Geschichte der Brille“.
Foto: P. Brethfeld

In Abständen werden Stadtführungen organisiert. Die Städte Freiberg, Zwickau, Dresden, Leipzig, Greiz, Grimma und Pulsnitz standen u.a. schon auf dem Plan.

In Pulsnitz lernten wir 2025 z.B. das alte Handwerk der Blaufärber und Pfefferküchler kennen, bevor wir uns auf eine Stadtführung begaben.
Foto: P. Brethfeld

Unsere Mitglieder bringen sich mit Ideen und Vorschlägen in das Vereinsleben ein. Es ist bei uns ein ungeschriebenes Blatt, dass derjenige, der einen Vorschlag unterbreitet, auch aktiv werden muss. Durch diese Regel können wir auf zahlreiche aktive Mitstreiter im Verein bauen, was die Vielseitigkeit des Vereinslebens ausmacht und ermöglicht.

Es ist nicht möglich, eine über 70-jährige Vereinsgeschichte in allen Facetten und mit Details vorzustellen. Der Einblick in unser vielseitiges Vereinsleben soll ermutigen, mal zum Schnuppern bei uns vorbeizukommen. Wir freuen uns, wenn wir hier etwas Neugier wecken konnten.